Suomen Salpa

Wir klettern durch eine enge Bunkertür und gehen langsam voran in den düsteren, feuchten Betonbau. Hier gibt es Schlafplätze für rund 20 Soldaten. Am Ende des Raums durchbricht ein Schlitz die Außenwand, groß genug für das Maschinengewehr, dessen Rohr durch die Öffnung nach außen ragt. Draußen steht ein alter T-34 Panzer aus Sowjetzeiten, zu dessen Abwehr dieses mächtige Bauwerk einst erschaffen wurde. Wir stehen gerade in einer der längsten Verteidigungsanlagen der Welt, die vom Finnischen Meerbusen bei Virolahti entlang der östlichen Staatsgrenze zu Russland mit über 1200 Kilometern Länge bis nach Petsamo in Lappland durch unwegsames Gelände verläuft. Mittendrin die zahlreichen Seen und Sumpfgebiete sowie felsige Landpartien des Saima-Seengebiets, welche sich durch die geographischen Gegebenheiten strategisch perfekt in diese Verteidigungslinie einbeziehen ließen. Der Großteil an Bunkern und Gefechtsständen liegt zwischen dem Saima-Seengebiet und dem Finnischen Meerbusen. Die Finnen sprengten Schützengräben in den Granit, karrten Felsblöcke an strategisch wichtige Punkte, um Panzern den Weg zu versperren und bauten Bunker wie diesen hier in der Gemeinde Miehikkälä, wo wir uns gerade im landesweit einzigartigen Salpa-Linien-Museum befinden, welches den Besuchern viel zu sehen und zu erleben bietet.

Und warum das alles?

Nachdem der Winterkrieg zwischen Finnland und der damaligen Sowjetunion am 13.03.1940 beendet war, beschloß der Oberbefehlshaber der finnischen Streitkräfte Feldmarschall C.G. Mannerheim mit seinen vertrautesten Generälen, dass entlang der östlichen Staatsgrenze eine Verteidigungslinie errichtet werden sollte. Der geplante Verlauf führte von Virolahti nach Luumäki, über das Saima-Seengebiet nach Salla und von dort aus bis an die Eismeerküste. Die Bauarbeiten begannen schon im April 1940 unter der Leitung von Generalleutnant E.F. Hanell. Beim Ausbruch des sogenannten Fortsetzungskrieges im Sommer 1941 wurden die Bauarbeiten vorerst unterbrochen und erst im Sommer 1944 wieder aufgenommen, bis Sie endgültig im Oktober 1944 eingestellt wurden. An dieser wohl besten Verteidigunglinie des 2. Weltkrieges wurde allerdings nie gekämpft, da der Vormarsch der Roten Armee im September 1944 bereits auf der Karelischen Landenge zum Erliegen gekommen war. Noch heute sind die zahlreichen Bunkeranlagen gut erhalten und die Museen ein sehr beliebtes Ausflugsziel für Touristen.

Zahlen und Fakten

Es wurden ca. 700 Waffenräume und Unterkünfte aus Stahlbeton gebaut. Daneben gab es noch um die 250 Mannschaftsunterstände und 3000 hölzerne Feldbefestigungen. Außerdem wurden 315 Kilometer Stacheldrat verlegt, 200 Kilometer Panzersperren errichtet und 350 Kilometer Schützengräben ausgehoben.